Quartiere schützen

Da die genaue Verbreitung und die lokale Population von Mopsfledermäusen häufig nicht bekannt sind, ist es wichtig, potenzielle Quartiere zu erkennen und gezielt zu schützen. Daher ist es sinnvoll, den Blick für diese versteckten Lebensräume zu schärfen.

Gewusst wo!

Unter der abstehenden Borke befindet sich eine Wochenstube.

Quartiere erkennen und bestätigen

Im Wald nutzen die Tiere meist kleine Spalten hinter abstehenden Rindenteilen oder an Stamm- bzw. Astabbrüchen. An waldnahen Gebäuden werden ebenfalls gern Spaltenräume in Anspruch genommen, z. B. hinter Holzverkleidungen an Scheunen. Diese werden oft jahrzehntelang von Fledermäusen als Quartier genutzt.

Bestätigt werden kann ein potenzielles Fledermausquartier durch eine Ausflugskontrolle oder anhand von Indizien, wie z. B. Urinstreifen oder Fledermauskot unterhalb des Hangplatzes. Mit bioakustischen Verfahren lässt sich die Art eindeutig nachweisen.

Rindentaschen als Quartier an einer toten Buche

Quartier hinter abstehender Rinde einer "Käferfichte"

Spaltenquartier an einer abgebrochenen Buche

Rindentasche als Quartier an einer Eiche

Abstehende Rinde im Kronenraum einer toten Buche

Spaltenquartier hinter der Verkleidung einer Scheune

Maßnahmen bei Fund eines Mopsfledermaus-Quartiers

Da die Quartiere der Mopsfledermaus und auch aller anderen heimischen Fledermausarten laut BNatSchG geschützt sind, ist es wichtig, Maßnahmen zu ergreifen, um diesen Schutz auch im Rahmen der Waldnutzung gewährleisten zu können.

Quartier melden

Wenn Sie ein Mopsfledermaus-Quartier entdeckt haben, sind zuerst der oder die Wald- bzw. Gebäudebesitzende sowie die verantwortliche Untere Naturschutzbehörde des Landratsamtes zu informieren.

Folgende Angaben sind wichtig: Standort (GPS-Koordinaten), Quartierart (Baumart, Gebäudetyp), Fotos aus verschiedenen Himmelsrichtungen und mit möglichen Ein- und Ausflugs­öffnungen

Quartier markieren

Generell sollten belegte Fledermausquartiere innerhalb des Bestandes durch den oder die Revierleiter*in bzw.
Waldbesitzer*in eindeutig als Habitatbaum markiert werden.

Neben der Kennzeichnung mit Langzeitmarkierungsfarbe ist es sinnvoll, die Standortkoordinaten mit Hilfe eines GPS-Gerätes zu erfassen und in das ForstGIS aufzunehmen.

Quartier schützen

Je nach Art des Quartieres sind anschließend gemeinsam mit dem oder der Eigentümer*in Schutzkonzepte zu entwickeln. Verschiedene Ansätze zum Schutz von Waldfledermäusen gibt es bereits.

In unserem Projekt entwickeln wir konkrete Maßnahmen zum Schutz der Mopsfledermaus, mit denen wir praktische Hilfestellung leisten wollen. Unsere Ergebnisse veröffentlichen wir hier sowie in einem Handbuch.

Gut zu wissen!

Bestehende Schutzkonzepte

Für den Schutz von Fledermausquartieren im Wald gibt es mehrere Ansätze, die aktuell in der Praxis verfolgt
werden:

Naturwaldzellen einrichten

Es werden Naturwaldzellen oder Waldrefugien eingerichtet und eindeutig abgegrenzt, in denen keine forstliche Nutzung stattfindet.

Dies bietet sich im Falle von Kalamitätsbeständen ebenso an wie für vitale Laubholzbestände.

Habitatbaumgruppen einrichten

Um die bekannten Quartierbäume können Habitatbaumgruppen eingerichtet werden, z. B. indem das Quartier als Mittelpunkt einer solchen Gruppe ausgewiesen wird und mindestens die nächsten 15 Bäume der herrschenden Baumschicht dauerhaft gesichert werden.
 

Hierbei sollten auch Bäume ausgezeichnet werden, die erst im Lauf der Zeit ihr Quartierpotenzial vollständig ausschöpfen.

Totholz schonen

Wo immer möglich, sollten stehendes Totholz, absterbende Bäume sowie Höhlen- und Spaltenbäume geschont werden.

Alte Eichen schonen

Alte Eichen bieten Lebensraum für eine Vielzahl an Kleinstlebewesen wie Insekten und Spinnen. Für Fledermäuse, die an der Spitze der Nahrungspyramide stehen, spielen diese Bäume eine wichtige Rolle als Nahrungslieferanten.

Mit zunehmendem Alter eines Baumes steigt außerdem dessen Eignung als Quartierbaum. Sie sollten daher erhalten und vor äußeren Gefährdungen bewahrt werden.

Holzerntezeit anpassen

Wenn ihre Versteckmöglichkeiten übersehen werden, stellt das Fällen von Bäumen eine direkte Lebensgefährdung für Fledermäuse dar. Die gravierendsten Folgen hat die Fällung von besetzten Wochenstubenbäumen oder Winterquartieren.

Ein geregelter Holzeinschlag sollte daher mindestens von Mitte März bis Ende Oktober vermieden werden. Ideal für die Holzernte sind die Wintermonate November bis Februar.