NABU spürt Mopsfledermaus im Rems-Murr-Kreis auf

Wo gibt es in Baden-Württemberg Mopsfledermäuse und wie nutzen die etwa sechs Zentimeter kleinen Tiere ihre Lebensräume? Darüber wissen wir noch wenig: Wenn die seltene Art nachts zur Jagd ausfliegt, entdeckt man sie nur mit Spezialgeräten. Und auch dafür braucht es Glück. Denn im Südwesten lebt das spezialisierte Säugetier nach bisherigem Wissensstand nur in wenigen, kleineren und regional begrenzten Kolonien. Umso erstaunlicher, dass NABU-Mitarbeiter Volker Weiß Ende Mai eine Mopsfledermaus in seiner Heimatstadt Murrhardt nachwies. Er hatte auf seinem Streuobststück einen sogenannten „Mini-Batcorder“ aufgehängt, der die nächtliche Geräuschkulisse aufzeichnet. Was als erster technischer Test für den Geräte-Einsatz in einem bundesweiten Mopsfledermausprojekt gedacht war, wurde ein echter Glücksfund.

Das Verbundprojekt von Stiftung FLEDERMAUS, Naturstiftung David, den NABU-Landesverbänden Baden-Württemberg und Niedersachsen sowie der Universität Greifswald setzt sich für Schutz und Förderung der Mopsfledermaus in Deutschland ein. Gefördert wird das Projekt im Rahmen des Bundesprogramms Biologische Vielfalt durch das Bundesamt für Naturschutz und mit Mitteln des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit. In Baden-Württemberg finanziert das Umweltministerium 15 Prozent, das Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz mit ForstBW und der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt fünf Prozent des Vorhabens. Mitarbeitende der forstlichen Behörden unterstützen das Projekt aktiv. Die Projektpartner wollen mehr darüber herausfinden, wo das fliegende Säugetier lebt, überwintert und sich fortpflanzt. Dazu werden Ehrenamtliche aus dem Naturschutz und Vertretende aus der Forstwirtschaft die Mini-Batcorder im Wald aufhängen, um Mopsfledermäuse aufzustöbern. Dieses Wissen wollen sie nutzen, um passgenaue Schutzmaßnahmen zu entwickeln und diese vor Ort umzusetzen.

„Als ich mir die Tonsequenzen aus unserem ersten Test in der Software angeschaut habe, konnte ich es kaum fassen: Mehrere Rufe mit Frequenzwechsel – das macht so eigentlich nur die Mopsfledermaus“, sagt Robert Pfeifle, der das Projekt für den NABU Baden-Württemberg betreut. „Ich habe die Datei dann an einige Fledermausexpertinnen und -experten geschickt. Alle waren sich einig: Da ruft tatsächlich eine Mopsfledermaus.“

Einzigartiges Jagdverhalten, eindeutiger Rufton-Nachweis
Das Tonsignal war zwar nicht optimal, das charakteristische Jagdverhalten des Säugetiers mit der plattgedrückten Nase war aber klar zu erkennen. Alle Fledermäuse orientieren sich im Dunkeln, indem sie Ultraschall-Rufe ausstoßen. Treffen diese auf ein Objekt, kommt ein Echo zurück. Die Mopsfledermaus stößt aus ihrem Mund einen ersten Ruf aus, mit dem sie ihre Umgebung erfasst und sich orientiert. Dieser hat eine niedrige Endfrequenz, die bei der Auswertung bereits auf eine Mopsfledermaus hindeutet.

Bestätigen lässt sich diese Vermutung durch einen zweiten Ruf mit etwas höherer Frequenz, den die Mopsfledermaus zum Jagen aus ihrer Nase ausstößt. Die Tiere erkennen dadurch, dass vor ihnen Insekten fliegen – und schlagen zu. Einige Nachtfalter haben allerdings im Laufe der Evolution Ohren entwickelt. Sie hören deshalb nahende Fledermäuse und fliehen rechtzeitig. „Die Mopsfledermaus hat jedoch einen besonderen Trick: Sie ruft viel leiser als andere Fledermäuse, die ebenfalls Nachtfalter jagen. Je näher sie sich an ihre Beute heranpirscht, desto leiser ruft sie – die Kleinschmetterlinge sind tot, bevor sie die stille Jägerin bemerken“, erläutert Pfeifle. Die Aufnahmen aus Murrhardt zeigten genau diese beiden Rufe (Grafik auf Anfrage).

NABU testet Aufnahmegeräte weiter
Was folgt nun aus diesem überraschenden Erfolg? Robert Pfeifle ist zuversichtlich, was den weiteren Verlauf des Projekts angeht: „Der Nachweis im Zuge unseres ersten Gerätetests war ein glücklicher Zufall. Er macht aber deutlich, dass die Mini-Batcorder funktionieren und es sich lohnt, auch in Gegenden ohne bekannte Vorkommen der Mopsfledermaus nach ihr zu suchen. Im kommenden Jahr wollen wir die Geräte an einige Ehrenamtliche aus dem Naturschutz und Interessierte aus der Forstwirtschaft verleihen. Wir hoffen, dass wir dadurch weitere, bisher unbekannte Vorkommen entdecken, die wir dann genauer erforschen können. Anschließend wollen wir an diesen Orten gemeinsam mit der Forstverwaltung passende Schutzmaßnahmen entwickeln und umsetzen.“

Murrhardt: Potenzieller Lebensraum für anspruchsvolle Mopsfledermaus
Im Umkreis von Murrhardt hat die Entdeckungslust nun auch den Vorsitzenden des NABU Baden-Württemberg, Johannes Enssle, gepackt: Er testet in seiner Freizeit ebenfalls eines der Geräte. Mit drei weiteren „Mini-Batcordern“ wollen Enssle und Volker Weiß in der Nähe des Erstnachweises mehr darüber herausfinden, wo die aufgezeichnete Mopsfledermaus wohnt und jagt. Die Gegend bietet gute Bedingungen für das Tier: Gut denkbar, dass sie Unterschlupf in einem alten Baum der zusammenhängenden Waldgebiete oder unter der Holzverkleidung der zahlreichen Feldscheunen findet.

„Wenn wir dort weitere Mopsfledermäuse finden, wäre das großartig. In jedem Fall sammeln wir dabei wichtige Erfahrungen mit den Aufnahmegeräten, die wir in den kommenden Jahren gut nutzen können“, fasst Pfeifle zusammen. Das bundesweite Projekt „Schutz und Förderung der Mopsfledermaus in Deutschland“ läuft bis 2025 in insgesamt sieben Bundesländern: Baden-Württemberg, Bayern, Brandenburg, Hessen, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen und Thüringen.

Hintergrund zum Mopsfledermausprojekt
Die weiteren Verbundpartner des Projektes sind die Stiftung FLEDERMAUS (Projektkoordination), die Naturstiftung David, der NABU Niedersachsen sowie die Universität Greifswald. Das Projekt hat ein Gesamtvolumen von 5,44 Millionen Euro, 4,3 Millionen davon stellt das Bundesumweltministerium im Rahmen des Bundesprogramms Biologische Vielfalt zur Verfügung. Inhaltlich begleitet wird das Projekt durch das Bundesamt für Naturschutz. Der Anteil für Baden-Württemberg liegt bei mehr als 850.000 Euro.
 

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